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Kokerei Friedrich Thyssen 4/8

Abbruch und Folgenutzung des Kokereigeländes


Kaminsprengung

Vor dem Werkstor, links befand sich die Pforte, rechts die Waschkauen, im Hintergrund Druckmaschine der Batterie I, Ansicht aus den frühen 70er Jahren
(© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Erich Nolden)


Zum Inhalt:

Produktionseinschränkung und Stillegung

Folgenutzung des Kokereigeländes



Produktionseinschränkung und Stillegung.

Im Jahre 1972 mußten erstmals Produktionseinschränken getroffen werden. So war aufgrund dessen die H2SO4-Anlage unterbelastet, so daß erheblich geringere Schwefelwasserstoffkonzentration im Kokereirohgas auftraten. Hinzu kam, daß in den 70er Jahren sich die Kohlengrundlage für die Kokerei geändert hatte. Durch das Zusammenwirken dieser beiden Sachverhalte wurde die Entscheidung getroffen, flüssigen Schwefel in einem vorgeschalteten Verbrennungsofen zu verbrennen. Diese Einrichtung bestand im wesentlichen aus einer Entladeanlage, einem Tank in einer Betonwanne als Lagerbehälter für flüssigen Schwefel, einer Schwefelpumpe, einer Zerstäuberlanze für das Verdüsen des Schwefels in den Verbrennungsofen, einem Entspannungs- und Sättigungsbehälter für Wasserdampf und einem Kiesfilter für das Prozeßgas, da der Schwefel nicht chemisch rein war.




Blick auf Turm H in den 70er Jahren von der Hamborner Straße aus. (© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Erich Nolden)


Die Auswirkungen der Kohle- und Stahl-Krise machten vor keinem Werkstor halt. Neben den wiederholten Produktionseinschränkungen wurde im Januar 1975 die Reindestillationsanlage Benzolreinigung außer Betrieb gesetzt. Die Anzahl der Beschäftigten lag in den 50er und 60er Jahren recht konstant bei etwa 570 Arbeitern und Angestellten, zum Jahresende vor der Stillegung betrug die Belegschaft 458 Mann. Die Stillegung der Kokerei erfolgte zum 15. November 1977.

Die Abbrucharbeiten begannen unmittelbar nach der Stillegung und waren bis zum Jahre 1981 abgeschlossen. Auf dem Gelände wurden bis zu 30 cm Waschberge aufgebracht.

Einzig das Hauptschalthaus einschließlich der Kabelkanäle blieb erhalten, war jedoch unvermeidlich jahrzehntelang dem Vandalismus ausgesetzt. Weiterhin blieben die Einfriedung und das dahinter befindliche Koksofensteine-Lager bestehen.

Verabschiedung

Verabschiedung eines Belegschaftmitgliedes, etwa im Jahre 1974
(© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Erich Nolden)


Folgenutzung des Kokereigeländes.

Das gesamte Kokereigelände gehörte anfangs wie das Hüttenwerk und das Zechengelände zu dem Landschaftspark Nord. Jedoch wurde es aus wirtschaftlichen Aspekten und seiner optimalen Lage (Anbindung an die Autobahn) ausgegliedert und veräußert. Aufgrund der neuen Nutzung durch das schwedische Möbelunternehmen IKEA wurde zunächst das Gelände gerodet, das Hauptschalthaus im Sommer 2004 abgebrochen und die Kabelkanäle verfüllt.

Anfangs als Zentrallager Deutschland mit einer zusätzlichen, 19.000 m2 großen Verkaufsfläche geplant, wurde die Konzeption dahingehend verändert, daß sich das Distributionslager nun in Dortmund befindet und in Duisburg "nur" das 34. Einrichtungshaus, resp. die achte IKEA-Filiale in Nordrhein-Westfalen, entstand. Die Eröffnung fand am 17. März 2005 statt. Die ursprünglich geplante Eisenbahn-Anschlußstrecke entfiel, da die Ware ausschließlich über die Straße angeliefert wird.

IKEA

Das IKEA-Einrichtungshaus im Januar 2005 (Foto: © J. Sporbeck)

Das IKEA-Einrichtungshaus wurde nach dem bewährten IKEA-Prinzip "leicht montierbar" im bekannten Baustil errichtet. Die Konstruktion wurde in Fertigteilvollmontage gefertigt, das Dachtragwerk in Stahlbauweise. Das Gebäude befindet sich im Bereich der Benzoldruckraffination, Benzolwascher und des -lagers, des Röhrenofens, Hauptschalthauses und Kaminkühlers. An diesem Platz wurden im Jahre 1911/12 von der Gewerkschaft Deutscher Kaiser die ersten beiden Koppers-Verbund-Öfen der Welt errichtet. Der Parkplatz erstreckt sich über die gesamte ehemalige schwarze Seite. Bei der Besichtigung vor Ort am 28. Januar 2005 war die Mauer der Einfriedung an der Hamborner Straße im vorderen Bereich durch einen Erdwall ersetzt worden und es war nur eine Frage der Zeit, bis das Lager für Feuerfestmaterial, daß sich direkt hinter der Mauer befand, gänzlich verschwunden war. Heute erinnert nichts mehr an die einst imposante Kokerei Friedrich Thyssen 4/8.

Quellennachweis:
  1. verschiedene Unterlagen aus der Privatsammlung Barz/Berg zur Stillegung der Kokerei Fr. Thysssen 4/8
  2. Dr. F. M. Ress: Geschichte der Kokereitechnik; Essen 1957
  3. Dr. Otto Grosskinsky: Handbuch des Kokereiwesens, Bd. 2; Düsseldorf 1958
  4. verschiedene Akten der Gruppe 611 des Duisburger Stadtarchivs zu baulichen Maßnahmen der Kokerei Fr. Thyssen 4/8


© Michaela Berg

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