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Kokerei Friedrich Thyssen 4/8

Die schwarze Seite




Ansichtskarte aus den frühen 20er Jahren (© Ansichtskartensammlung Barz/Berg)


Zum Inhalt:

Kohlenzufuhr, Misch- u. Mahlanlage

Ofenbetrieb

Sieberei, Brech- und Verladeeinrichtung



Im Jahre 1903 wurde etwa 300 m nordwestlich der Zeche Deutscher Kaiser 4 in Duisburg Untermeiderich auf einer Grundstücksfläähe von rund 110.000 m2 mit dem Bau der ersten beiden Koksofenbatterien der späteren Zentralkokerei Friedrich Thyssen 4/8 begonnen. Sie diente vorerst nur der Koksversorgung des Hüttenbetriebes Meiderich.

Die ersten Batterien

Die erste Brunck-Batterie mit Belegschaft, im Jahre 1905. Der Überlieferung zufolge soll die Ofenbreite 16,8 cm betragen haben
(© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Erich Nolden)

Ihre Entwicklung weist viele Parallelen zur Kokerei August Thyssen auf und auch ihr Erscheinungsbild ähnelte dieser sehr. Zwar kam auf der weißen Seite ein anderes Verfahren in Anwendung und obwohl jede, wirkliche jede Kokerei ein Unikat ist, kann die Kokerei Friedrich Thyssen 4/8 ohne weiteres als Schwester, im übertragenen Sinne gesprochen, der Kokerei August Thyssen bezeichnet werden.

Bedingt durch die fortschreitende Entwicklung der Hochofenanlage Meiderich und der teilweisen Mitversorgung der ATH erhöhte sich sehr bald der Koksbedarf, so daß Anfang der 20er Jahre ein kompletter Umbau in mehreren Bauabschnitten erfolgte. Durch diesen Umbau zur Zentralkokerei wurde die gesamte Kokerei völlig umgestaltet. Die parallel zueinander angeordneten Batterien wurden innerhalb von vier Jahren stillgelegt und durch drei Verbundbatterien ersetzt, die in einer Flucht lagen. Diese Anordnung behielt sie bis zu ihrer Stillegung im Jahre 1977 bei.

Kohlenzufuhr, Misch- u. Mahlanlage.

Im Zuge dieses Umbaus wurde im Jahre 1925/26 eine Kohlenmahl- und mischanlage errichtet um auch Kohle anderer Zechen im Hamborner Raum einsetzen zu können. Schacht 4 lieferte 55 % der Kokskohle (mit 21 % flüchtigen Bestandteilen), Beeckerwerth 14 % (mit 26 % flüchtigen Bestandteilen), Schacht 2/5 21 % (mit 30 % flüchtigen Bestandteilen) und Lohberg 10 % (mit 35 % flüchtigen Bestandteilen).

Löschen des Kokses von Hand

Der Koks wurde bis zum Umbau der Kokerei im Jahre 1926 von Hand gelöscht. Auch auf den ersten Verbundkoksöfen der Welt wurde der ausgegarte Koks manuell gelöscht.
(© Zeichnung von E. Thiel)

Die Kohle der Schachtanlage 4/8 wurde über Bandbrücken der Kokskohlenvorratsbunker zugeführt, die Kohle der anderen Bergwerke per Eisenbahn angeliefert und im Bunker entladen. Die Kohle wurde zunächst in Walzenbrechern vorgebrochen und dann in einer der beiden Hammermühlen auf eine bestimmte Korngröße gemahlen. Anschließend wurde die Kohle getrennt in sogenannte Mischbunker geliefert. Unter den einzelnen Mischbunkern befanden sich rotierende Teller, so daß die Kohlensorten mittels Abstreicher in der jeweiligen gewünschten Menge auf das unter den Mischbunkern laufende Transportband gebracht wurden. Die Kohlensorten wurden nun in einer der vier Schleudermühlen richtig durchgemischt und gelangten von hieraus als fertiggemischte Kokskohle per Förderbänder über vier Verteilertürme zu den Kokskohlentürmen.

KKT I und KKT II hatten je ein Fassungsvermögen von 2700 t und versorgte die Batterien 1, 2 und 3, KKT IV hatte ein Fassungsvermögen von 1600 t und versorgte Batterie 4 und letztlich KKT V/VI ein Fassungsvermögen von 600 t und versorgte die Batterien 5 und 6. Der KKT III wurde erst im Zuge des Neubaues der Batterie 4 im Jahre 1953 errichtet. Doch dazu später mehr.

Staurechen   Batterie 4
Linkes Bild: Koksseite: Bedienung des Staurechens. Nachdem der Koks vom Löschwagen auf die Koksabwurframpe entladen wurde, wird er mit Hilfe von Staurechen auf ein Gummitransportband abgelassen (© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)
Rechtes Bild: Blick auf die Maschinenseite der Neubau-Batterie 4 von 1953 bestehend aus 2 * 32 Koppers-Kreisstromöfen, im Hintergrund Kohlenturm 3 sowie Bandbrücke k (© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)

Ofenbetrieb.

Die Kokerei Meiderich, wie sie damals genannt wurde, wurde im April 1905 mit nur zwei Batterien à 60 Brunck-Rekuperativkoksöfen in Betrieb genommen (Batterie 1 und 2). An dieser Stelle sei angeführt, daß die Rekuperativöfen die Vorläufer der Regenerativ-Koksöfen waren. Die heißen Abgase wurden durch ein feuerfest gemauerten Kanalsystem geleitet und wärmten hierdurch im Gegenstromprinzip die Verbrennungsluft vor. Im Oktober 1905 folgten zwei weitere Batterien gleicher Bauweise (Batterie 3 und 4). Im folgenden nun eine Liste der Batterien der Kokerei Friedrich Thyssen 4/8.

 Situationsplan der Kokerei Friedrich Thyssen 4/8, Dateigröße: 456 KB

Liste der Batterie der Kokerei Friedrich Thyssen 4/8.

Batterie
Anzahl und Art der Koksöfen
Inbetriebnahme der Batterie
Außerbetriebnahme
Bemerkungen
Batterie 1 und 2 2 Batterien à 60 Brunck Rekuperativöfen April 1905 Januar 1910
Batterie 3 und 4 2 Batterien à 60 Brunck Rekuperativöfen Oktober 1905 bis Januar 1911
Batterie 5 60 Otto-Regenerativ-Koksöfen Oktober 1908 Oktober 1925 ab 1912 als Batterie 3 bezeichnet
Batterie 6 60 Otto-Regenerativ-Koksöfen Oktober 1908 Mai 1927 ab 1912 als Batterie 4 bezeichnet
Batterien 1 und 2 2 Batterien à 70 Koppers-Regenerativ-Koksöfen Januar 1911 Mai 1928 wurde am Platz der Brunck Rekuperativkoksofenbatterie 1 und 2 errichtet
Batterie 5 und 6 2 Batterien à 63 Koppers-Verbund-Koksöfen Oktober 1912 Kriegsverlust (Bombenangriffe vom 14. und 15.Oktober 1944) wurde am Platz der Brunck Rekuperativkoksofenbatterie 3 und 4 errichtet, erste Verbundöfen der Welt
Batterie 7 65 Koppers-Verbund-Koksöfen April 1916 Kriegsverlust (Bombenangriffe vom 14. und 15.Oktober 1944) 1927/28 Modernisierung und Umbenennung in Batterie 4
Batterie 2 65 Koppers-Verbund-Koksöfen Oktober 1926 bis zur Stillegung d. Kokerei
Batterie 1 65 Koppers-Verbund-Koksöfen 1. April 1928 (erster Koks) bis zur Stillegung d. Kokerei wurde am Platz der Otto-Regenerativofenbatterie 5 und 6 errichtet
Batterie 3 65 Koppers-Verbund-Koksöfen 1. April 1928 (erster Koks) bis zur Stillegung d. Kokerei
Batterie 4 70 Koppers-Kreisstrom-Koksöfen 15. Juli 1953 (erster Koks) bis zur Stillegung d. Kokerei


Die Batterien V und VI waren von der Gewerkschaft Deutscher Kaiser im Jahre 1911 in Auftrag gegeben worden und waren die ersten Verbundöfen Deutschlands und der Welt. Verbundkoksöfen konnten im Gegensatz zu den Regenerativkoksöfen wahlweise mit Hochofengichtgas oder Koksofengas beaufschlagt werden. Anfangs wurden sie jedoch noch mit Starkgas beheizt, während die im Jahre 1913 auf der Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mülheim/Ruhr in Betrieb genommenen 80 Koppers-Verbundöfen sofort mit Gichtgas unterfeuert wurden.

Batterie 4

Batterie 4 (ehemailge Batterie VII), Inbetriebnahme 1916, im Jahre 1928 überholt und mit mechanischer Verladung versehen. Diese Batterie hatte noch eine hochgelegene Maschinenbahn, unter der sich Lageräume, Büro der Betriebsbeamten, Pausenräume u. ä. befanden. Im Hintergrund die 1926 in Betrieb genommene Batterie III, bei der sich das Druckmaschinengleis bereits auf Terrainniveau lag.
(© Fotosammlung Barz/Berg)


Batterie 4 kriegsbeschädigt
(© Fotosammlung Barz/Berg)

Die Batterien und ihre

Ofenbedienungsmaschinen (Stand 1972).

Batterie 1 (1928)
65 halbgeteilte Verbundkoksofenbatterie von Koppers
Baujahr 1928
1 Füllwagen (1928)
1 Druckmaschine (1928)
1 KKFW (1926)
1 E-Lok (1926)
1 Kokslöschwagen (1928)
Batterie 2 (1926)
65 halbgeteilte Verbundkoksofenbatterie von Koppers (schon Kriegsschäden vor dem folgenschwersten Bombenangriff erlitten, Wiederaufbau ab 1944)
1 Füllwagen (1928)
1 Druckmaschine (1926)
2 KKFW (1944)
1 E-Lok (1928)
1 Kokslöschwagen
Batterie 3 (1928)
65 halbgeteilte Verbundkoksofenbatterie von Koppers
1 Füllwagen (1928)
1 Druckmaschine (1928)
1 KKFW 1928)
1 E-Lok (1926)
1 Kokslöschwagen (1950)
Batterie 4
2 × 32 Öfen Kreisstrom-Koksofenbatterie von Koppers (1953)
1 Füllwagen (1953)
1 Druckmaschine (1953)
1 KKFW (1969)
1 E-Lok (1953)
1 Kokslöschwagen (1953)
Ferner gehörte zu dem Ofenbetrieb eine Lehmaufbereitungsanlagen (1937) sowie ein Lehmmühlengebäude (1952). Lehm wurde für das Verschmieren der Türfugen benötigt. Auch wurden die Fugen der Füllöcher mit Lehrmbrühe ausgegossen um seinen luftdichten Abschluß zu erzeugen. Löschwasserkläranlagen wurden in den Jahren 1926 und 1928 errichtet.

Blick auf die Koksseite

Blick auf die Koksseite, im Hintergrund Batterie 2, die Umkehrstation sowie die Bandbrücken s1, v3 und s
(© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)

Für die Beheizung der Koksöfen wurde anfangs neben dem Gichtgas auch ein Teil des Koksgases verwandt. Mit Erweiterung des Koksofengasabsatzes wurde dieser Anteil möglichst gering gehalten. Für den Gichtgasbezug verband eine Gichtgasleittung die Kokerei mit der Hütte Ruhrort-Meiderich und eine mit dem Hüttenbetrieb Meiderich. Als Reserve bei Gichtgasmangel stand auf der Kokerei eine Generatoranlage zur Verfügung. Nach der Errichtung der Batterie IV lag die Produktivität der Kokerei bei 3240 tato Koks.

Die Bewirtschaftung des produzierten Koksgases der Kokerei 4/8 sowie der Kokerei Friedrich Thyssen 3/7 (Kokerei August Thyssen) war durch einen im Jahre 1926 mit der Thyssenschen Gas- und Wasserwerke GmbH abgeschlossenen Vertrag geregelt. Das Industriegas wurde hinter den Benzolwaschern der Gesellschaft zur Verfügung gestellt, Leuchtgas ab Vorlage.


14 Koker mit Dame. Abendliche Herrrunde genannt Kokspröksken
(© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)

Der Brand der Verbundkoksofenbatterien I bis IV wurde maschinell unter dem Löschturm abgelöscht. Nach dem Abdampfen des Kokses auf der Abwurframpe wurde der Koks mit Hilfe der Staurechen auf das Gummitransportband abgelassen, das hinter den Staurechen läuft, und zur Kokssieberei weitergeleitet. Der Koks der abseits gelegenen Batterien V und VI wurde von Hand gelöscht und ebenso manuell vom schrägen Löschplatz unmittelbar in die Seilbahnwagen zum Hüttenbetrieb Meiderich verladen.

Das aus den drei Löschtürmen abfließende Löschwasser wurde seit 1924 geklärt und wiederverwendet. Der abgetrennte Koksgrus wurde anschließend entwässert und zum Koksgrusbunker gebracht. Eine neue Einrichtung für die Entwässerung des Koksgruses wurde im Jahre 1967 in Betrieb genommen.

Elektrokarren

Dieses Fahrzeug ist ein Elektrokarren. Er befindet sich mit seinem Anhänger vor dem Materiallager. Im Hintergrund die Batterie 1 und die Kühltürme, die sich an der Hamborner Straße (neben dem Bürogebäude) befanden.
(© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)

Im Juli und August 1954 wurden Großversuche mit Ölzusatz zur Kokskohle durchgeführt, um festzustellen, in welchem Umfang hierdurch die Gaserzeugung vergrößert werden konnte. Im November und Dezember desselben Jahres wurde diese Maßnahme zur Deckung des Gasmehrbedarfs herangezogen.

Sieberei, Brech- und Verladeeinrichtung.

Die Kokssiebereien von je 125 t Stundenleistung wurden im Jahre 1926 errichtet. Hier wurde der Koks auf Rollenrosten und Trommelrosten vom Kleinkoks befreit.

Vor der Koksseparation, am linken Bildrand ist die Kühlergruppe 2 erkennbar (© Fotosammlung Peter Liszio, Kokerei Schwelgern)
Brechkoks wurde mittels der Zackenbrecher von 20 t Stundenleistung hergestellt, wobei im Jahre 1951 einer weiterer Koksbrecher mit 35- 40 t Stundenleistung zu den Brechern aus dem Jahre 1930 aufgestellt wurde. Mittels dreier Siebeinrichtungen (je 50 t Stundenleistung) aus dem Jahre 1928 wurde der Koks in die jeweilig gewünschte Korngröße sortiert.

Die Koksverladung 1 aus dem Jahre 1926 befand sich in der Nähe des KKT 1 und Koksverladestation 2 in der Nähe des KKT 3. Ferner gehörten zur "Sieberei, Brech- und Verladeeinrichtung" drei Wiegehäuschen (1928/1930/1965) und eine Prallmühle (Fabrikat: HAZEMAG, 1957).

Im Jahre 1968 wurde, um den Wünschen der Hütte nach einem enger klassierten Hochofenkoks nachzukommen, von der Westfälischen Maschinenbau-Gesellschaft, Unna, die Separation oberhalb des Koksbunkers der Koksverladung 1 erweitert. Sie bestand im wesentlichen aus einem Schwingsieb, einem Zweiwalzenbrecher und einem verfahr- und reversierbaren Verteilerband, um den Koks in den beiden vorhandenen Koksbunkern verteilen zu können.

Im Jahre 1968 wurde es notwendig eine Einrichtung für die Rückverladung von Haldenkoks in Betrieb zu nehmen, da viele Tonnen Koks auf dem ehemaligen Schachtgelände 4/8 aufgehaldet werden mußten.



Die Kokerei war bis 1944 durch eine Drahtseilbahn mit dem Hüttenwerk Meiderich als den Hauptabnehmer des Kokses verbunden. Der Großkoks wurde hierbei von der Trommel- und Rollenrost-Separation in Seilbahnwagen von je 520 kg Fassungsvermögen verladen. Der Großkoks der Batterien V und VI wurde manuell mit Koksgabeln in die Seilbahnwagen verladen.

Kokssieberei

Hier wirft ein Koker einen Blick aus der Kokssieberei.
Na, entdeckt?
(© Fotosammlung Barz/Berg, aus dem Nachlaß Erich Nolden)

Die Seilbahn, die 1500 t/d leistete, hatte eine Länge von 880 m ab Waage und 115 Wagen im Umlauf. Das Seilbahngebäude von 1911 wurde seit Einstellung des Seilbahnbetriebes als Lager genutzt. Die beladenen Gichtkübel mit 3,5 - 6,5 t Fassungsvermögen gelangten über die Werksbahn zur August Thyssen-Hütte oder zur Hütte Ruhrort-Meiderich.

Die Kokerei 4/8 gehörte bis zur Gründung der RAG zu der Friedrich Thyssen Bergbau AG, welche neben anderen Bergbau-Aktiengesellschaften im Zuge der Entflechtung der VSt/GBAG gegründet wurde. Ab dem 17.11. 1969 wurde die Kokerei nun der "Werksdirektion Kokereien Bergbau AG Oberhausen" unterstellt. Zu dieser Gruppe gehörten auch die Kokereien Osterfeld, Kokerei Jacobi und Kokerei Prosper.

Quellennachweis:
  1. verschiedene Unterlagen aus der Privatsammlung Barz/Berg zur Stillegung der Kokerei Fr. Thysssen 4/8
  2. Dr. F. M. Ress: Geschichte der Kokereitechnik; Essen 1957
  3. Dr. Otto Grosskinsky: Handbuch des Kokereiwesens, Bd. 2; Düsseldorf 1958
  4. verschiedene Akten der Gruppe 611 des Duisburger Stadtarchivs zu baulichen Maßnahmen der Kokerei Fr. Thyssen 4/8


© Michaela Berg

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